Schlaganfall Navigator
Behandlungen

Therapieverfahren im Überblick

Behandlung der Depression nach Schlaganfall

Auch bekannt als: Post-Stroke-Depression, PSD, Depression nach Hirninfarkt, emotionale Labilität, Affektinkontinenz, Angst nach Schlaganfall, Angststörung nach Schlaganfall, Post-Stroke-Angst, Angst vor einem zweiten Schlaganfall

In der Leitlinie empfohlen

Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.

Was ist das?

Niedergeschlagenheit nach einem Schlaganfall ist keine Charakterfrage und keine bloße Reaktion auf die Lage. Sie gehört zu den häufigen Folgen des Ereignisses selbst und wird behandelt wie eine Depression sonst auch: mit Gesprächstherapie, mit Medikamenten oder mit beidem. Dazu gehört ein verwandtes Bild, das oft verwechselt wird: die emotionale Labilität, bei der jemand ohne passenden Anlass weinen oder lachen muss. Auch dafür sieht die Leitlinie eine Behandlungsmöglichkeit vor.

Was die Studien sagen

  1. Die hausärztliche S3-Leitlinie „Schlaganfall“ empfiehlt mit dem Grad B, dass Betroffene und ihre Angehörigen über das Risiko einer depressiven Störung oder Angststörung informiert und geschult werden, und ausdrücklich auch darüber, dass diese Störungen erst mit langer Verzögerung auftreten können. Diese Empfehlung steht auf Evidenzstufe 1a.

  2. Bei Hinweisen auf Angst oder Depression sollte ein strukturiertes Assessment angeboten werden (Grad B), und im Verlauf sollte regelmäßig erneut nachgefragt werden (Grad B). Gemeint ist ein Fragebogen, nicht der Eindruck im Vorbeigehen.

  3. Zur Behandlung selbst nennt die Leitlinie drei Bausteine. Betroffene mit emotionalen Beschwerden können von Antidepressiva profitieren (Grad 0, Evidenzstufe 1a). Eine Psychotherapie, vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie, kann angeboten werden (Grad 0). Und bei affektiven Störungen sollte eine Kombination aus nicht medikamentöser und medikamentöser Behandlung angeboten werden (Grad B).

  4. Die stärkste Empfehlung des ganzen Abschnitts ist eine Absage: Antidepressiva sollen nach einem Schlaganfall nicht routinemäßig zur Vorbeugung einer Depression gegeben werden (Grad A). Behandelt wird, wer eine Depression hat, nicht vorsorglich jeder.

  5. Bei emotionaler Labilität sollte eine Therapieoption mit SSRI besprochen werden (Grad B). Bemerkenswert ist hier das Abstimmungsergebnis: 9 Ja, 2 Nein, 9 Enthaltungen. Die Leitliniengruppe war sich also uneinig, und das gehört zur Einordnung dazu.

  6. Menschen mit einer Aphasie haben laut Leitlinie ein besonders hohes Risiko, eine Depression zu entwickeln. Eine frühe intensivierte Sprachtherapie könnte das günstig beeinflussen.

Was dagegen spricht

  • Die Belege für die einzelnen Behandlungen sind schwächer, als man erwarten würde. Sowohl Antidepressiva als auch Psychotherapie stehen bei „kann“, nicht bei „soll“.
  • Antidepressiva vorbeugend zu nehmen ist ausdrücklich nicht empfohlen. Wer sie ohne festgestellte Depression angeboten bekommt, darf danach fragen, worauf sich das stützt.
  • Psychotherapieplätze sind knapp, und nach einem Schlaganfall kommen Hürden dazu: Wer nicht gut sprechen oder sich nicht gut konzentrieren kann, braucht eine Therapeutin, die damit umgehen kann.
  • Erschöpfung nach einem Schlaganfall ist nicht automatisch eine Depression. Beides sieht von außen ähnlich aus und wird verschieden behandelt. Deshalb steht die Abklärung vor der Behandlung.
  • Diese Seite kann Ihnen nicht sagen, ob Sie eine Depression haben. Das kann nur eine Untersuchung.
  • Die Leitlinie ist formal abgelaufen. Sie stammt von 2020 und wird im AWMF-Register als abgelaufen geführt. Fachlich bleibt sie die Referenz für die hausärztliche Versorgung, der Stand ist aber mehrere Jahre alt.

Wo es das gibt und wer zahlt

Deutschland

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, die genau dafür zuständig ist: Die Leitlinie ist eine hausärztliche. Ambulante Psychotherapie ist Kassenleistung, der Einstieg läuft über die psychotherapeutische Sprechstunde; die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung ist unter 116117 erreichbar und vermittelt Termine dafür. Medikamente verordnet die Haus- oder Facharztpraxis.

Österreich

noch nicht vollständig geprüft

Erste Anlaufstelle ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Psychotherapie wird von der Krankenkasse bezuschusst, vollfinanzierte Plätze laufen über die Vergabestellen der Träger und sind kontingentiert; für klinisch-psychologische Behandlung gibt es seit 2026 eine bundesweite Servicestelle. Welcher Weg im Einzelfall der richtige ist, hängt vom Träger ab und ließ sich von uns nicht abschließend belegen.

Schweiz

noch nicht vollständig geprüft

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Psychotherapie durch Psychologinnen und Psychologen wird seit dem Anordnungsmodell auf ärztliche Anordnung hin über die Grundversicherung abgerechnet; psychiatrische Behandlung ohnehin. Was das für Ihren Fall genau bedeutet, klären Sie am besten vorher mit der anordnenden Praxis.

Fragen für Ihr Arztgespräch

Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.

  • „Können wir einmal mit einem Fragebogen prüfen, ob hinter meiner Stimmung mehr steckt?“
  • „Ist meine Erschöpfung eher eine Depression oder eher eine Fatigue, und wie unterscheiden wir das?“
  • „Wenn eine Behandlung sinnvoll ist: Gespräch, Medikament oder beides, und woran machen Sie das fest?“
  • „Falls ein Medikament vorgeschlagen wird: Wurde bei mir eine Depression festgestellt, oder ist das vorbeugend gemeint?“
  • „Wo finde ich hier eine Psychotherapie, die mit meinen Sprach- oder Konzentrationsproblemen umgehen kann?“
  • „Woran würden wir nach einigen Wochen merken, ob die Behandlung wirkt?“

Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.

Weitere Verfahren

Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.

Wie diese Seite gemeint ist

Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 23.08.2026.

Quellen

Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.

  1. AWMF Leitlinien-Register: S3-Leitlinie Schlaganfall der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Registernummer 053-011)Belegt: Empfehlungsgrad A gegen die routinemäßige vorbeugende Gabe von Antidepressiva nach Schlaganfall sowie Grad B für Information und Schulung von Betroffenen und Angehörigen über das Risiko und die mögliche lange Latenz depressiver Störungen.Stand der Quelle: DEGAM 2020, im AWMF-Register inzwischen als abgelaufen geführt. Von uns geprüft am 23.08.2026.
  2. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): S3-Leitlinie Schlaganfall, Langfassung, Empfehlungen 6.3.63 bis 6.3.71Belegt: Der Wortlaut der Einzelempfehlungen samt Empfehlungsgrad, Evidenzstufe und Abstimmungsergebnis: strukturiertes Assessment (B), Reassessment im Verlauf (B), Antidepressiva bei Beschwerden (0, Evidenz 1a), keine vorbeugende Gabe (A), Psychotherapie (0), Kombinationsbehandlung (B), SSRI-Option bei emotionaler Labilität (B, 9 Ja / 2 Nein / 9 Enthaltungen).Stand der Quelle: DEGAM 2020, im AWMF-Register inzwischen als abgelaufen geführt. Von uns geprüft am 23.08.2026.