Behandlungen nach dem Schlaganfall
Über manche Verfahren wird viel geredet, und von außen ist kaum zu erkennen, was davon belegt ist. Hier steht zu 24 Behandlungen, was die Studien sagen und wer sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz bezahlt.
Keine Empfehlung und keine Rangliste. Ob eine Behandlung für Sie infrage kommt, kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Jede Seite endet deshalb mit Fragen für den nächsten Termin.
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
- Antispastika zum EinnehmenIn der Leitlinie ausdrücklich das nachrangige Mittel: erst Therapie und physikalische Maßnahmen, bei örtlich begrenzter Spastik erst die Spritze. Tabletten wirken im ganzen Körper, auch dort, wo Sie die Kraft brauchen.Betrifft: Arm und Hand, Gehen und Stehen, Alltag und Haushalt
- Baclofen-PumpeFür schwere Spastik, die den ganzen Körper betrifft, und erst wenn Therapie und Tabletten nicht reichen. Die Leitlinie knüpft sie an eine Bedingung, die vor der Entscheidung steht: eine gesicherte Nachsorge über Jahre.Betrifft: Gehen und Stehen, Alltag und Haushalt
- Behandlung der Depression nach SchlaganfallDie hausärztliche Leitlinie behandelt Depression und Angststörung gemeinsam und sieht Erkennen, Nachfragen im Verlauf und eine Kombination aus Gespräch und Medikament vor. Vorbeugend Antidepressiva zu geben lehnt sie ausdrücklich ab.Betrifft: Stimmung und Antrieb
- Botulinumtoxin bei Spastik am ArmDie stärkste Empfehlung der Leitlinie, aber für ein anderes Ziel, als die meisten erwarten: belegt sind weniger Spannung, weniger Schmerz und leichtere Pflege. Dass der Arm danach wieder greifen kann, ist es nicht.Betrifft: Arm und Hand
- Botulinumtoxin bei Spastik am BeinFür eine bestimmte Fehlstellung des Fußes eine sollte-Empfehlung, mit einem konkreten Ziel: weniger Hilfsmittel beim Gehen. Ein Verfahren derselben Familie wird ausdrücklich abgelehnt.Betrifft: Gehen und Stehen
- Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)Die stärkste Empfehlung der Leitlinie zur Armlähmung. Der gesunde Arm wird zeitweise ruhiggestellt, damit der betroffene arbeiten muss. Die Hürde ist die Organisation, nicht die Evidenz.Betrifft: Arm und Hand
- Dehnung, Lagerung und SchienenEmpfohlen, aber mit einem Unterschied, der im Alltag oft untergeht: Die Leitlinie hält fest, dass Lagern allein die Spastik nicht verringert. Es kommt auf die Dehnung an, meist über Schienen.Betrifft: Arm und Hand, Gehen und Stehen, Alltag und Haushalt
- Fußheberschwäche: Orthese und Peroneus-StimulationZwei Wege gegen den hängenden Fuß. Die Orthese mit Elektrostimulation trägt die höhere Empfehlung, die einfache Schiene die niedrigere.Betrifft: Gehen und Stehen, Alltag und Haushalt
- Gerätegestütztes Gehtraining (Gangtrainer, Laufband, Exoskelett)Empfohlen vor allem für Menschen, die noch gar nicht gehen können. Sobald jemand mit Hilfe geht, sieht die Leitlinie das Gerät ausdrücklich nicht mehr als bevorzugten Weg.Betrifft: Gehen und Stehen
- Intensive Sprachtherapie bei AphasieNicht die Methode entscheidet, sondern die Menge. Die Leitlinie nennt mindestens fünf bis zehn Stunden pro Woche als wirksam. Zwei Stunden reichen nachweislich nicht.Betrifft: Sprechen und Verstehen
- Intensives GehtrainingDie einzige soll-Empfehlung der Mobilitäts-Leitlinie. Das Wirkprinzip ist schlicht die Zahl der Schritte, nicht ein bestimmtes Gerät oder eine bestimmte Schule.Betrifft: Gehen und Stehen
- Neuropsychologisches AufmerksamkeitstrainingVon einer aktuellen Leitlinie empfohlen und in Deutschland Kassenleistung. Wichtig ist der Unterschied zur Gehirnjogging-App: Die trägt eine deutlich schwächere Empfehlung.Betrifft: Gedächtnis und Konzentration
- Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)In den ersten Wochen nach dem Schlaganfall von der Leitlinie empfohlen, wenn es angeboten wird und in erfahrener Hand liegt. Genau daran scheitert es meist.Betrifft: Arm und Hand
- Robotergestütztes ArmtrainingVon der Leitlinie empfohlen, wenn der Arm schwer gelähmt ist und der Schlaganfall noch nicht lange zurückliegt. Ein Zusatz zur übrigen Therapie, kein Ersatz.Betrifft: Arm und Hand
- SpiegeltherapieIn der Leitlinie empfohlen, wenn Arm oder Hand betroffen sind. Wird innerhalb von Ergo- und Physiotherapie erbracht, kostet also nichts extra.Betrifft: Arm und Hand
- Therapieintensität: wie viel Übung nötig istDie stärkste Aussage der Leitlinie ist keine Methode, sondern eine Menge: mindestens 30 Minuten an jedem Werktag. Welche Therapieschule dahintersteht, ist nachrangig.Betrifft: Arm und Hand, Alltag und Haushalt
Wird erforscht, noch kein Standard
Es laufen Studien. Ob das Verfahren hilft, ist noch nicht entschieden.
- Akupunktur nach SchlaganfallDie Leitlinie lässt sie als Zusatz zu, sagt aber, der Nutzen für die Bewegung sei nicht sicher belegt. Bezahlen müssen Sie sie in dieser Anwendung selbst.Betrifft: Arm und Hand
- Elektrostimulation am Arm (NMES und FES)Die Leitlinie lässt es als Zusatz zu, spricht aber überall nur von „kann erwogen werden“. Für die Schulter gibt es einen belegten Zweck und einen ausdrücklich nicht belegten.Betrifft: Arm und Hand, Alltag und Haushalt
- Erschöpfung nach dem Schlaganfall (Fatigue)Häufig und ernst zu nehmen, aber es gibt kein Verfahren mit belegter Wirkung. Was die Leitlinie stattdessen vorsieht: gezielt nach behandelbaren Ursachen suchen.Betrifft: Stimmung und Antrieb, Alltag und Haushalt
- Kommunikationshilfen bei undeutlicher Sprache (Dysarthrie)Kleine Hilfsmittel, die kaum jemand kennt: vom Taktgeber gegen zu schnelles Sprechen bis zur Gaumensegelprothese. Belegt sind sie überwiegend aus Einzelfällen.Betrifft: Sprechen und Verstehen
- Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, das Verfahren außerhalb von Studien zur Armfunktion einzusetzen. Geräte dafür werden trotzdem verkauft.Betrifft: Arm und Hand
- Vagusnerv-Stimulation mit Armtraining (VNS)In den USA seit 2021 für chronischen Schlaganfall zugelassen. Die europäische Leitlinie rät außerhalb von Studien ab, und für den DACH-Raum konnten wir keine Zulassung feststellen.Betrifft: Arm und Hand
Umstritten
Es gibt Studien, aber sie widersprechen sich oder die aussagekräftigsten fallen negativ aus.
Wird angeboten, ohne dass Studien es tragen
Das Verfahren wird angeboten, oft gegen Bezahlung. Belastbare Studien dafür gibt es nicht.
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