Therapieverfahren im Überblick
Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)
Auch bekannt als: CIMT, mCIMT, Taub-Training, Forced Use, Bewegungsinduktionstherapie
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
Was ist das?
Der weniger betroffene Arm wird für bestimmte Zeiten ruhiggestellt, meist mit einem Handschuh oder einer Schlinge. Dadurch sind Sie gezwungen, den betroffenen Arm im Alltag einzusetzen. Dazu kommt intensives Training. In den ersten Wochen nach dem Schlaganfall wird eine abgeschwächte Form eingesetzt: höchstens zwei Stunden Training am Tag, kombiniert mit bis zu sechs Stunden Ruhigstellung. Der Gedanke dahinter ist, dass viele Betroffene den betroffenen Arm aus Gewohnheit nicht mehr benutzen, obwohl er mehr könnte, als sie ihm zutrauen.
Was die Studien sagen
Die S3-Leitlinie zur Armparese spricht hier eine Empfehlung mit dem Grad A aus, also ein „soll". Das ist die stärkste Stufe, die eine Leitlinie vergibt, und sie kommt in dieser Leitlinie selten vor.
Zugrunde liegt die höchste Evidenzstufe 1a, und die Leitliniengruppe bewertet die Qualität der Effekte als hoch. Auch das ist ungewöhnlich deutlich: Bei den meisten anderen Verfahren steht dort „mittlere" oder „niedrige" Qualität.
Die Empfehlung ist an klare Voraussetzungen geknüpft. Sie gilt bei mäßiger Armparese mit zumindest teilweise erhaltener Handfunktion, wenn der Arm im Alltag kaum spontan eingesetzt wird, wenn keine schwere Spastik und keine Schmerzen im Arm bestehen, wenn das Ziel der verstärkte Alltagsgebrauch ist und wenn die Therapie organisatorisch umsetzbar ist.
Diese letzte Bedingung steht ausdrücklich in der Leitlinie und ist in der Praxis oft die entscheidende: Die Therapie verlangt viel Zeit von Therapeutinnen und Patienten.
Was dagegen spricht
- Die Voraussetzungen sind eng. Wer die Hand gar nicht mehr bewegen kann, fällt heraus; ebenso, wer starke Spastik oder Schmerzen im Arm hat.
- Der Aufwand ist hoch. Ruhigstellung über Stunden ist im Alltag anstrengend und für manche Menschen belastend.
- Die Verfügbarkeit ist der eigentliche Engpass. Nicht jede Klinik und nicht jede Praxis bietet die Therapie an, weil sie personell aufwendig ist.
- Die Leitlinie ist formal abgelaufen. Sie stammt vom 23.04.2020, war gültig bis 22.04.2025 und wird überarbeitet. Fachlich bleibt sie die Referenz, der Stand ist aber mehrere Jahre alt.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
CIMT ist keine eigene Leistung mit eigener Verordnung, sondern eine Therapieform innerhalb der Ergo- und Physiotherapie, häufig im Rahmen einer stationären oder ambulanten Reha. Zusätzliche Kosten entstehen Ihnen dadurch nicht. Angeboten wird sie aber längst nicht überall. Fragen Sie in der Reha-Klinik gezielt danach, am besten schon bei der Auswahl der Klinik.
Österreich
Dasselbe Bild: eine Therapieform innerhalb der Ergo- und Physiotherapie, keine gesondert zu beantragende Leistung. Die Österreichische Gesellschaft für Neurorehabilitation war an der Leitlinie beteiligt, die Empfehlung gilt also auch hier. Fragen Sie in der Reha-Einrichtung nach, ob dort damit gearbeitet wird.
Schweiz
Ebenfalls eine Therapieform innerhalb der Ergo- und Physiotherapie ohne eigenen Leistungsantrag. An der Leitlinie waren die Schweizerische Neurologische Gesellschaft und die Schweizerische Gesellschaft für Neurorehabilitation beteiligt. Fragen Sie in Ihrer Reha-Klinik danach.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Erfülle ich die Voraussetzungen für eine CIMT, und wenn nicht, woran liegt es?“
- „Bieten Sie das hier an? Falls nein, welche Klinik in erreichbarer Nähe tut es?“
- „Wie viele Stunden am Tag wären das bei mir, und über wie viele Wochen?“
- „Was passiert, wenn ich es nicht durchhalte, und woran würden wir das merken?“
- „Gibt es eine abgeschwächte Form, die für mich besser passt?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 23.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- AWMF Leitlinien-Register: S3-Leitlinie Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall (Registernummer 080-001)Belegt: Empfehlungsgrad A („soll") für CIMT und modifizierte CIMT, Evidenz 1a, hohe Effektqualität, starker Konsens.Stand der Quelle: Version 2.0 vom 23.04.2020, gültig bis 22.04.2025, in Überarbeitung. Von uns geprüft am 23.08.2026.
- Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation (DGiNR): S3-Leitlinie Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall, LangfassungBelegt: Abschnitt 7.9 mit dem Wortlaut der Empfehlung, den Voraussetzungen und der Begrenzung auf höchstens zwei Stunden Training und sechs Stunden Restriktion in den ersten sechs Wochen.Stand der Quelle: 01.06.2020. Von uns geprüft am 23.08.2026.