Therapieverfahren im Überblick
Dehnung, Lagerung und Schienen
Auch bekannt als: Lagerungsschiene, Handschiene, statisches Dehnen, Casting, Gipsschiene, Orthese
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
Was ist das?
Der betroffene Arm oder das betroffene Bein wird regelmäßig in einer gedehnten Stellung gehalten, oft mit Schienen über mehrere Stunden am Tag. Bei festeren Bewegungseinschränkungen kommen zirkuläre Gipsverbände infrage, die in Abständen neu angelegt werden. Ziel ist, die Muskelspannung zu senken und zu verhindern, dass Gelenke sich dauerhaft versteifen.
Was die Studien sagen
Die Leitlinie empfiehlt mit einem sollte, im starken Konsens: eine regelmäßige Lagerung in der größtmöglichen schmerzfreien oder erträglichen Dehnung der spastischen Muskulatur, bei Bedarf unterstützt durch Schienen über mehrere Stunden am Tag.
Diese Empfehlung gilt ausdrücklich nur, soweit die betroffene Person die Gliedmaßen nicht selbst durch Aktivität ausreichend bewegt, zum Beispiel durch Stehen.
Für die Hand hält die Leitlinie fest, dass statisches Dehnen mit Lagerungsschienen die Spastik der Handgelenksbeuger bei Schlaganfall-Betroffenen verringert.
Bei spastischer Tonuserhöhung und Bewegungseinschränkungen, die die Funktion betreffen, etwa im Sprunggelenk, sollte serielles Casting durchgeführt werden, allein oder bevorzugt in Kombination mit einer vorher erfolgten Botulinumtoxin-Behandlung und anschließender Schienenlagerung.
Die Leitlinie nennt Dehnübungen, Orthesen, Casting und Taping außerdem als begleitende Maßnahmen, die nach einer Botulinumtoxin-Behandlung geprüft werden sollen.
Was dagegen spricht
- Die Leitlinie sagt ausdrücklich, dass alleiniges Lagern die Spastik nicht verringert. Wer den Arm nur in eine bequeme Stellung legt, tut nicht das, was gemeint ist.
- Das Ziel des Castings ist eine bessere passive Beweglichkeit, also dass sich das Gelenk wieder bewegen lässt. Dass Sie damit besser gehen oder greifen, sagt die Empfehlung nicht.
- Die Leitlinie verlangt beim Casting, dass die Verträglichkeit angemessen überwacht werden kann. Am gelähmten Bein, das oft weniger spürt, ist ein Druckschaden unter dem Gips eine reale Gefahr.
- Gedehnt wird nur bis zur schmerzfreien oder erträglichen Grenze. Eine Schiene, die weh tut, ist nicht die stärkere Behandlung, sondern die falsche.
- Bei Multipler Sklerose empfiehlt die Leitlinie ein Programm aus Schulung und täglichen Dehnübungen. Für Schlaganfall-Betroffene macht sie diese Aussage in dieser Form nicht; die Empfehlungen unterscheiden sich je nach Grunderkrankung.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
noch nicht vollständig geprüftSchienen und Orthesen werden ärztlich verordnet und von Sanitätshäusern angepasst; Ergotherapie und Physiotherapie leiten die Lagerung an und üben sie mit Angehörigen ein. Casting erfolgt in der Regel in einer Reha-Einrichtung oder einer spezialisierten Ambulanz. Zur Kostenübernahme im Einzelfall konnten wir nichts belegen.
Österreich
noch nicht vollständig geprüftHeilbehelfe wie Schienen werden ärztlich verordnet, häufig mit Bewilligung durch den Krankenversicherungsträger, und über Sanitätshäuser oder Bandagisten angepasst. Der Ablauf im Einzelfall ließ sich von uns nicht belegen.
Schweiz
noch nicht vollständig geprüftHilfsmittel dieser Art laufen je nach Alter und Situation über die Invalidenversicherung oder die Krankenversicherung. Was im Einzelfall übernommen wird, konnten wir nicht belegen.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Reicht bei mir die Lagerung, oder brauche ich eine Schiene, damit wirklich gedehnt wird?“
- „Wie viele Stunden am Tag ist das gemeint, und wie teilen wir das auf?“
- „Wer zeigt das meinen Angehörigen, damit es zu Hause richtig gemacht wird?“
- „Woran erkenne ich, dass die Schiene zu fest sitzt oder Druck macht?“
- „Käme bei mir ein Casting infrage, und sollte davor eine Spritze gesetzt werden?“
- „Bewege ich mich tagsüber genug, sodass die Lagerung vielleicht gar nicht nötig ist?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Zu „Arm und Hand“
- Antispastika zum Einnehmen
- Botulinumtoxin bei Spastik am Arm
- Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)
Zu „Gehen und Stehen“
Alles zu „Gehen und Stehen“Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 24.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- AWMF Leitlinien-Register: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Registernummer 030-078Belegt: Die Leitlinie ist aktuell gültig. Federführend sind die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation; beteiligt waren unter anderem die Österreichische Gesellschaft für Neurologie, die Schweizerische Neurologische Gesellschaft und die Schweizerische Gesellschaft für Neurorehabilitation. Sie gilt für Erwachsene und behandelt ausdrücklich nicht die Spastik bei Kindern.Stand der Quelle: Version 6.1, Stand 01.12.2024, gültig bis 30.11.2029. Von uns geprüft am 24.08.2026.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Langfassung Version 6.1Belegt: Die sollte-Empfehlung zur regelmäßigen Lagerung in größtmöglicher schmerzfreier beziehungsweise tolerierbarer Dehnung, gegebenenfalls unterstützt durch intermittierende Schienenlagerungen über mehrere Stunden am Tag, samt der Einschränkung auf Fälle, in denen die Mobilisation nicht durch eigene Aktivitäten ausreichend erfolgt; die Feststellung, dass statisches Dehnen mit Lagerungsschienen die Spastizität der Handgelenksflexoren reduziert, alleiniges Lagern jedoch nicht; die sollte-Empfehlung zum seriellen Casting bei funktionsrelevanten Kontrakturen mit dem Behandlungsziel der passiven Beweglichkeit und der Anforderung an ein Verträglichkeitsmonitoring; sowie die Nennung von Dehnübungen, Orthesen, Casting und Taping als adjuvante Therapie nach Botulinumtoxin-Behandlung.Stand der Quelle: Langfassung Version 6.1, redaktionell überarbeitet eingestellt am 17.04.2025. Von uns geprüft am 24.08.2026.