Therapieverfahren im Überblick
Baclofen-Pumpe
Auch bekannt als: intrathekale Baclofen-Therapie, ITB, Medikamentenpumpe, Baclofen-Pumpe unter der Haut
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
Was ist das?
Eine kleine Pumpe wird unter die Haut eingesetzt und gibt den Wirkstoff über einen dünnen Schlauch direkt an das Rückenmark ab. Dadurch wirkt eine sehr viel kleinere Menge als bei Tabletten, und der Wirkstoff verteilt sich weniger im übrigen Körper. Vor dem Einsetzen wird die Wirkung getestet und die Dosis gesucht.
Was die Studien sagen
Die Leitlinie formuliert ein kann, also die schwächste der drei Empfehlungsstufen, im starken Konsens beschlossen.
Sie gilt für die schwere Spastik, die mehrere Körperabschnitte oder den ganzen Körper betrifft, vor allem wenn sie vom Rückenmark ausgeht, aber auch bei Ursachen im Gehirn.
Voraussetzung ist, dass eine behindernde Spastik den Alltag beeinträchtigt oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Folgeschäden wie Kontrakturen oder Wundliegen führen wird.
Die Leitlinie setzt sie ausdrücklich hinter die anderen Wege: erst wenn physikalische und therapeutische Maßnahmen zusammen mit Tabletten und einem vertretbaren Nebenwirkungsprofil nicht ausreichen.
Testung und Dosisfindung sollen in einem Team erfolgen, das mit dieser Behandlung Erfahrung hat.
Was dagegen spricht
- Die Leitlinie verlangt vor der Entscheidung ein Langzeit-Versorgungsprogramm: Es muss geregelt sein, wer die Pumpe regelmäßig kontrolliert und auffüllt, wer den Verlauf bewertet und wer im Notfall Komplikationen behandelt. Wer weit von einem solchen Zentrum entfernt wohnt, sollte das vor der Operation klären, nicht danach.
- Es ist ein operativer Eingriff mit einem Fremdkörper im Bauchraum und einem Schlauch am Rückenmark. Das ist eine andere Größenordnung als eine Spritze oder eine Tablette.
- Sie ist nicht für die Spastik gedacht, die nur einen Arm oder ein Bein betrifft. Dafür sieht die Leitlinie die örtliche Behandlung vor.
- Läuft die Pumpe leer oder fällt sie aus, ist das kein bloßer Rückschritt. Die Leitlinie nennt das Management von Komplikationen ausdrücklich als Teil der Voraussetzung.
- Die Empfehlungsstufe ist ein kann. Die Leitlinie nennt an dieser Stelle keine Zahlen zur Wirksamkeit bei Spastik nach Schlaganfall.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
noch nicht vollständig geprüftWird an neurochirurgischen Kliniken und spezialisierten neurologischen Zentren eingesetzt und betreut. Die Leitlinie empfiehlt, das ambulante Management in spezialisierten Zentren anzusiedeln, mit Kontrollterminen in Abständen von meist höchstens sechs Monaten. Zur Kostenübernahme im Einzelfall konnten wir nichts belegen.
Österreich
noch nicht vollständig geprüftAngeboten an neurochirurgischen Abteilungen und in Rehabilitationszentren. Wie die Bewilligung im Einzelfall abläuft, ließ sich von uns nicht belegen.
Schweiz
noch nicht vollständig geprüftWird an Zentren mit neurochirurgischer Abteilung durchgeführt. Was die Grundversicherung trägt, konnten wir nicht belegen.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Betrifft meine Spastik mehrere Körperabschnitte, oder sitzt sie an einer Stelle?“
- „Sind bei mir Therapie und Tabletten wirklich ausgeschöpft?“
- „Wer kontrolliert und füllt die Pumpe später, und wie weit muss ich dafür fahren?“
- „Was passiert, wenn die Pumpe ausfällt, und wer ist dann nachts erreichbar?“
- „Wie läuft die Testung vor der Entscheidung ab, und was sagt sie mir?“
- „Welches Ziel soll die Pumpe bei mir erreichen, und woran messen wir das?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Zu „Gehen und Stehen“
Alles zu „Gehen und Stehen“Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 24.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- AWMF Leitlinien-Register: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Registernummer 030-078Belegt: Die Leitlinie ist aktuell gültig. Federführend sind die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation; beteiligt waren unter anderem die Österreichische Gesellschaft für Neurologie, die Schweizerische Neurologische Gesellschaft und die Schweizerische Gesellschaft für Neurorehabilitation. Sie gilt für Erwachsene und behandelt ausdrücklich nicht die Spastik bei Kindern.Stand der Quelle: Version 6.1, Stand 01.12.2024, gültig bis 30.11.2029. Von uns geprüft am 24.08.2026.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Langfassung Version 6.1Belegt: Die kann-Empfehlung für die intrathekale Baclofen-Behandlung bei schwerer multisegmentaler beziehungsweise generalisierter, insbesondere spinaler, aber auch supraspinaler Spastizität, die Voraussetzung einer alltagsrelevanten behindernden Tonuserhöhung oder drohender Sekundärkomplikationen, die Nachrangigkeit gegenüber physikalischen und therapeutischen Maßnahmen in Kombination mit oralen Antispastika, die Durchführung von Testung und Dosisfindung in einem erfahrenen Team sowie die Forderung nach einem Langzeit-Versorgungsprogramm für Kontrolle, Füllung, Verlaufsbewertung und Komplikationsmanagement.Stand der Quelle: Langfassung Version 6.1, redaktionell überarbeitet eingestellt am 17.04.2025. Von uns geprüft am 24.08.2026.