Therapieverfahren im Überblick

Antispastika zum Einnehmen

Auch bekannt als: Baclofen, Tizanidin, Tolperison, Muskelrelaxanzien, Tabletten gegen Spastik

In der Leitlinie empfohlen

Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.

Was ist das?

Medikamente, die die Muskelspannung im ganzen Körper senken. Die Leitlinie ordnet sie der Spastik zu, die mehrere Gliedmaßen oder den Rumpf betrifft, also nicht nur einzelne Muskelgruppen. Die Dosis wird einschleichend gesteigert, damit sich Wirkung und Nebenwirkungen beobachten lassen.

Küchentisch im Morgenlicht mit einer Wochen-Tablettendose und einem Glas Wasser.

Was die Studien sagen

  1. Die Leitlinie formuliert eine Einschränkung, keine Empfehlung zum Einsatz: Antispastika zum Einnehmen sollten nur eingesetzt werden, wenn eine alltagsrelevante Spastik trotz angemessener physikalischer und therapeutischer Maßnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

  2. Bei einer Spastik, die nur einzelne Muskelgruppen betrifft, hat die Injektionsbehandlung laut Leitlinie das bessere Verhältnis von Nutzen und Risiko und sollte, soweit umsetzbar, vor den Tabletten eingesetzt werden.

  3. Die Auswahl des Medikaments soll sich nach der Begründung im Einzelfall richten, nach dem Profil aus Wirkung und Nebenwirkung und danach, wo am Körper die Spastik sitzt.

  4. Kombinationen mehrerer Wirkstoffe mit unterschiedlichem Ansatz sind klinisch üblich, insbesondere bei einer Spastik, die vom Rückenmark ausgeht.

  5. Ergänzend zu einer Injektionsbehandlung können Tabletten in niedriger, nebenwirkungsarmer Dosierung bedacht werden, wenn zusätzlich Krämpfe im ganzen Körper auftreten.

Was dagegen spricht

  • Die Wirkung ist nicht auf den betroffenen Arm oder das betroffene Bein zu begrenzen. Sie senkt die Muskelspannung überall, auch in der gesunden Körperhälfte, auf die Sie sich beim Gehen und Stehen stützen.
  • Die Leitlinie stellt das Medikament ausdrücklich hinter die Therapie. Wer Tabletten bekommt, ohne dass Physiotherapie, Ergotherapie und Lagerung ausgeschöpft sind, bekommt sie früher als vorgesehen.
  • Müdigkeit und Muskelschwäche sind der Grund für das einschleichende Dosieren. Beides trifft eine Gruppe, die nach einem Schlaganfall ohnehin oft mit Erschöpfung zu tun hat.
  • Die Leitlinie nennt keine Zahlen zur Wirksamkeit der einzelnen Wirkstoffe bei Spastik nach Schlaganfall und keine Rangfolge unter ihnen. Die Auswahl ist eine Abwägung im Einzelfall, keine belegte Reihenfolge.
  • Ein Absetzen von heute auf morgen ist bei manchen dieser Medikamente nicht harmlos. Das gehört vor den Beginn besprochen, nicht danach.

Wo es das gibt und wer zahlt

Deutschland

noch nicht vollständig geprüft

Verschreibungspflichtig, verordnet von der neurologischen oder hausärztlichen Praxis. Die Wirkstoffe sind seit Langem im Markt und in der Regel Kassenleistung. Ob das für den bei Ihnen vorgesehenen Wirkstoff und die vorgesehene Anwendung gilt, konnten wir nicht abschließend belegen.

Österreich

noch nicht vollständig geprüft

Ebenfalls verschreibungspflichtig. Ob eine Bewilligung durch die Krankenkasse nötig ist, hängt vom Präparat ab und ließ sich von uns nicht abschließend belegen. Fragen Sie in der verordnenden Praxis danach.

Schweiz

noch nicht vollständig geprüft

Verschreibungspflichtig; ob der Wirkstoff in der Spezialitätenliste geführt wird und damit von der Grundversicherung getragen wird, hängt vom Präparat ab und konnten wir nicht belegen.

Sie suchen eine Stelle, die Ihnen dabei hilft? Der Wegweiser zeigt Ihnen passende Anlaufstellen.

Fragen für Ihr Arztgespräch

Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.

  • „Sind bei mir Physiotherapie, Ergotherapie und Lagerung ausgeschöpft, bevor wir zu Tabletten greifen?“
  • „Betrifft meine Spastik nur einzelne Muskelgruppen? Dann käme laut Leitlinie zuerst eine Spritze infrage.“
  • „Welche Nebenwirkung sollte mich hellhörig machen, und ab wann melde ich mich?“
  • „Wie merken wir, ob das Medikament bei mir wirkt, und wann entscheiden wir darüber?“
  • „Was passiert mit der Kraft in meiner nicht betroffenen Körperseite?“
  • „Darf ich das Medikament einfach absetzen, wenn es mir nicht bekommt?“

Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.

Wer berät und hilft dazu?

Geprüfte Anlaufstellen, die zu diesem Thema beraten oder es behandeln.

Ergotherapeuten-Suche – Deutscher Verband der Ergotherapeuten

Ergotherapie hilft nach Schlaganfall beim Wiedererlernen von Alltagshandlungen (Anziehen, Kochen, Schreiben). Hier Therapeuten in der Nähe suchen.

Physiotherapeuten-Suche – Physio-Deutschland

Bundesweite PLZ-Suche nach Physiotherapeuten, sortiert nach Fachgebiet und Entfernung. Direkt für die Therapiesuche nach Entlassung nutzbar.

GKV-Hilfsmittelverzeichnis

Offizielles Verzeichnis aller erstattungsfähigen Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung. Ärzte müssen Produkte aus diesem Verzeichnis verordnen.

Pensionsversicherungsanstalt (PVA) Österreich

Zuständiger Sozialversicherungsträger für Pensionen (darunter die Erwerbsminderungspension/Invaliditätspension) und Pflegegeld, zugleich wichtigster Kostenträger für Rehabilitation mit 15 stationären und 2 ambulanten Reha-Zentren. Grundsatz: Rehabilitation vor Pension. Auskunft und Antragstellung über die Landesstelle.

Hier zuerst anrufenEine der wichtigsten Anlaufstellen bei Anträgen und Sozialleistungen.

Neurologisches Therapiezentrum Gmundnerberg

Sonderkrankenanstalt für stationäre neurologische Rehabilitation in Altmünster am Traunsee. 156 Betten, spezialisiert auf Schlaganfall, Gehirnblutung, MS, Parkinson und neuromuskuläre Erkrankungen.

Klinik Pirawarth – Neurologische Rehabilitation

Renommiertes Kompetenzzentrum nahe Wien für neurologische Rehabilitation. Vertragspartner aller österreichischen Sozialversicherungsträger.

SAHB – Hilfsmittelberatung Schweiz

Die SAHB ist die zentrale, unabhängige und gemeinnützige Beratungsstelle für Hilfsmittel in der Schweiz. Wenn Sie nach einem Schlaganfall einen Rollstuhl, Rollator, Anpassungen im Bad oder andere Hilfsmittel für Mobilität und Alltag benötigen, berät die SAHB Sie neutral und produktunabhängig.

Kliniken Valens – Neurologische Rehabilitation

Neurorehabilitation an 8 Standorten in der Ostschweiz mit neurowissenschaftlich fundiertem Konzept. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, MS.

Rehaklinik Zihlschlacht – Neurologie

Größte neurologische Rehaklinik der Schweiz mit einem der modernsten Robotikzentren Europas. Spezialisiert auf Schlaganfall-Frührehabilitation.

Weitere Verfahren

Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.

Wie geht es für Sie weiter?

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Wie diese Seite gemeint ist

Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 24.08.2026.

Belegt mit 2 Quellen

Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf Gesetze, Behörden und die Stellen, die die Leistung gewähren. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.

  1. AWMF Leitlinien-Register: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Registernummer 030-078Belegt: Die Leitlinie ist aktuell gültig. Federführend sind die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation; beteiligt waren unter anderem die Österreichische Gesellschaft für Neurologie, die Schweizerische Neurologische Gesellschaft und die Schweizerische Gesellschaft für Neurorehabilitation. Sie gilt für Erwachsene und behandelt ausdrücklich nicht die Spastik bei Kindern.Stand der Quelle: Version 6.1, Stand 01.12.2024, gültig bis 30.11.2029. Von uns geprüft am 24.08.2026.
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation: S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms, Langfassung Version 6.1Belegt: Die Empfehlung, orale Antispastika nur bei trotz adäquater physikalischer und therapeutischer Maßnahmen nicht ausreichend kontrollierter alltagsrelevanter Spastizität einzusetzen, den Vorrang der Botulinumtoxin-Behandlung bei fokaler, multifokaler und segmentaler Spastik, die Grundsätze zu Medikamentenauswahl und einschleichender Dosierung, die Üblichkeit von Kombinationen bei spinaler Spastik sowie den ergänzenden Einsatz in nebenwirkungsarmer Dosierung neben einer Botulinumtoxin-Behandlung bei begleitenden generalisierten Spasmen.Stand der Quelle: Langfassung Version 6.1, redaktionell überarbeitet eingestellt am 17.04.2025. Von uns geprüft am 24.08.2026.
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