Therapieverfahren im Überblick
Intensives Gehtraining
Auch bekannt als: Gangtraining, aufgabenbezogenes Training, Ausdauertraining Gehen, Zirkeltraining, Gehschule
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
Was ist das?
Gemeint ist Üben des Gehens selbst, in großer Menge und mit steigender Anforderung. Aufgabenbezogen heißt: geübt wird, was auch gebraucht wird, also Gehen, Stehen, Aufstehen, Treppen, nicht ersatzweise ein Muskel an einem Gerät. Progressiv heißt: Tempo, Strecke oder Schwierigkeit werden schrittweise erhöht, statt wochenlang dasselbe zu machen. Umgesetzt wird es als Gehtraining am Boden, auf dem Laufband oder als Zirkeltraining mit mehreren Stationen.
Was die Studien sagen
Die S2e-Leitlinie zur Mobilität nach Schlaganfall nennt das Wirkprinzip im Klartext: „Zur Verbesserung der Gehfähigkeit ist die hohe Zahl der durchgeführten Schritte (Wiederholungen) ein wesentliches Wirkprinzip.“
Aufgabenbezogenes progressives Ausdauertraining ist die einzige Empfehlung mit dem Grad A („soll“) in den fünf Ergebnistabellen der Kurzfassung. Sie gilt sowohl für die Gehgeschwindigkeit als auch für die Gehstrecke, umgesetzt über Laufband oder progressives Zirkeltraining. In allen anderen Tabellen bleibt die A-Zeile leer.
Als sollte-Empfehlungen (Grad B) führt die Leitlinie unter anderem intensives Gehtraining mit und ohne Laufband sowie ein intensives, überwachtes Heimübungsprogramm aus Kräftigung, Ausdauer und Balance mit steigender Anforderung.
Die Leitlinie ist streng nach Zielen sortiert, nicht nach Methoden. Sie fragt, was Gehfähigkeit, Gehgeschwindigkeit, Gehstrecke und Balance verbessert, und lässt offen, woher die Einschränkung kommt. Für die Auswahl der Therapie ist entscheidend, ob jemand zu Beginn schon gehen kann oder noch nicht.
Grundlage sind 199 ausgewertete Arbeiten, davon 188 Studien und 11 systematische Übersichtsarbeiten.
Was dagegen spricht
- Die empfohlene Menge ist im Alltag oft nicht zu bekommen. Zweimal 20 Minuten Physiotherapie pro Woche sind etwas anderes als intensives progressives Training.
- Progressiv heißt anstrengend. Wer schnell erschöpft ist, braucht einen Plan, der das berücksichtigt, sonst wird abgebrochen statt gesteigert.
- Ein Heimübungsprogramm trägt die Leitlinie nur mit Überwachung. Allein losüben ist nicht dasselbe und kann bei Sturzgefahr gefährlich sein.
- Die Leitlinie unterscheidet nach Phase (subakut oder chronisch) und danach, ob jemand schon gehen kann. Welche Empfehlung für Sie gilt, hängt davon ab, und das lässt sich nur im Gespräch klären.
- Uns zugänglich war die Kurzfassung der Konsensusversion vom 12.10.2015. Eine finale Fassung erschien im Dezember 2015; sie ist über die herausgebende Fachgesellschaft nicht mehr erreichbar. Einzelne Empfehlungsgrade können sich dort verschoben haben.
- Die Leitlinie ist abgelaufen. Sie wurde 2015 veröffentlicht, lief 2021 aus, und eine S3-Nachfolgerin ist angemeldet, aber noch nicht erschienen. Ihre Empfehlungen sind damit rund zehn Jahre alt.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
Gehtraining ist Physiotherapie und wird ärztlich verordnet. In der stationären Reha ist die Menge deutlich höher als danach zu Hause, deshalb lohnt es, den Übergang früh zu planen. Wenn Sie weit unter dem liegen, was die Leitlinie nennt, ist das der Ansatzpunkt: Fragen Sie nach einer Verordnung außerhalb des Regelfalls und danach, was Sie zwischen den Terminen selbst tun können.
Österreich
Ebenfalls über ärztliche Verordnung und die Krankenkasse. In der ambulanten und stationären Rehabilitation ist das Gehtraining Teil des Programms. Fragen Sie nach, wie viele Einheiten pro Woche vorgesehen sind.
Schweiz
Physiotherapie wird ärztlich angeordnet und über die Grundversicherung abgerechnet, die Zahl der Sitzungen pro Anordnung ist begrenzt und eine Verlängerung braucht eine Begründung. Sprechen Sie die Menge deshalb vor Ablauf einer Anordnung an.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Wie viele Schritte oder Minuten Gehen kommen bei mir pro Woche wirklich zusammen?“
- „Steigern wir die Anforderung regelmäßig, oder machen wir seit Wochen dasselbe?“
- „Bin ich in der Phase, in der Geräte etwas bringen, oder sollte ich vor allem am Boden gehen?“
- „Was kann ich zu Hause üben, ohne mich zu gefährden, und wer schaut regelmäßig darauf?“
- „Wäre ein Zirkeltraining oder eine Gruppe für mich möglich?“
- „Woran messen wir, ob es besser wird: Tempo, Strecke oder Sicherheit?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 23.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- AWMF Leitlinien-Register: S2e-Leitlinie Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (ReMoS), Registernummer 080-004Belegt: Die Leitlinie wurde 2015 publiziert, lief 2021 aus, und eine S3-Nachfolgerin (TheMoS) ist angemeldet.Stand der Quelle: 2015 publiziert, 2021 abgelaufen, S3-Nachfolgerin projektiert. Von uns geprüft am 23.08.2026.
- ReMoS-Arbeitsgruppe (Dohle, Quintern, Saal, Stephan, Tholen, Wittenberg): S2e-Leitlinie Rehabilitation der Mobilität nach Schlaganfall (ReMoS), Kurzfassung der KonsensusversionBelegt: Das Wirkprinzip der hohen Schrittzahl, aufgabenbezogenes progressives Ausdauertraining als einzige A-Empfehlung für Gehgeschwindigkeit und Gehstrecke, die B-Empfehlungen für intensives Gehtraining und ein überwachtes Heimübungsprogramm sowie der Umfang der Auswertung (199 Arbeiten).Stand der Quelle: Kurzfassung der Konsensusversion vom 12.10.2015, Neurol Rehabil 2015; 21(4): 179–184. Von uns geprüft am 23.08.2026.