Therapieverfahren im Überblick
Vagusnerv-Stimulation mit Armtraining (VNS)
Auch bekannt als: VNS, Paired VNS, Vivistim, Vagusnervstimulator
Wird erforscht, noch kein Standard
Es laufen Studien. Ob das Verfahren hilft, ist noch nicht entschieden.
Was ist das?
Ein kleiner Impulsgeber wird unter die Haut am Brustkorb eingesetzt und über ein Kabel mit dem Vagusnerv am Hals verbunden. Während des Armtrainings gibt er kurze Impulse ab, jeweils gekoppelt an eine Bewegung. Der Gedanke ist, dass diese Kopplung das Lernen im Gehirn verstärkt. Es handelt sich um einen operativen Eingriff mit einem dauerhaft implantierten Gerät, nicht um eine äußerliche Behandlung.
Was die Studien sagen
Die S3-Leitlinie zur Armparese hat das Verfahren 2020 bewertet und kam zu einer negativen Empfehlung mit dem Grad B-: Eine Anwendung außerhalb von Studienprotokollen sollte nicht erfolgen. Begründet wird das mit einem unklaren Nutzen-Risiko-Verhältnis, hohen Kosten und fehlender Zulassung in dieser Indikation. Zum damaligen Zeitpunkt gab es nur eine kleinere Studie, die vor allem die Sicherheit untersuchte.
Beim Zulassungsstand hat sich seither etwas bewegt, und zwar außerhalb Europas: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat am 27.08.2021 ein solches System zugelassen (Verfahren P210007). Die Zulassung gilt für Erwachsene mit chronischem ischämischem Schlaganfall und mittelschwerer bis schwerer Beeinträchtigung des Arms.
Eine Zulassung in den USA sagt nichts darüber, ob ein Verfahren hier verfügbar oder bezahlt ist. Für den deutschsprachigen Raum konnten wir keine entsprechende Zulassung und keine Kostenübernahme feststellen.
Die deutsche Leitlinie stammt aus der Zeit vor der US-Zulassung. Ihre Bewertung des Nutzens ist damit nicht auf dem neuesten Stand, ihre Einschätzung zur Verfügbarkeit hier aber weiterhin zutreffend.
Was dagegen spricht
- Es ist eine Operation mit einem dauerhaft implantierten Gerät. Das ist eine andere Größenordnung an Risiko als jede Übungstherapie.
- Die europäische Leitlinie rät außerhalb von Studien ausdrücklich ab.
- Für den deutschsprachigen Raum ist die Verfügbarkeit ungeklärt und eine Kostenübernahme nicht vorgesehen. Eine Behandlung im Ausland würden Sie selbst zahlen, samt Nachsorge.
- Auch die US-Zulassung gilt für eine eng umrissene Gruppe: chronischer ischämischer Schlaganfall, mittelschwere bis schwere Armbeeinträchtigung. Sie ist keine allgemeine Empfehlung für alle Betroffenen.
- Die Leitlinie ist formal abgelaufen. Sie stammt vom 23.04.2020, war gültig bis 22.04.2025 und wird überarbeitet. Fachlich bleibt sie die Referenz, der Stand ist aber mehrere Jahre alt.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
Uns ist keine Zulassung für diese Indikation im deutschsprachigen Raum bekannt, und eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung ist nicht vorgesehen. Der geordnete Weg wäre die Teilnahme an einer klinischen Studie. Fragen Sie in einer neurologischen Universitätsklinik, ob dort etwas läuft.
Österreich
Ebenfalls keine uns bekannte Zulassung für diese Indikation und keine Kostenübernahme. Auch hier ist die Studienteilnahme der Weg, über den das Verfahren geordnet zugänglich wäre.
Schweiz
Auch für die Schweiz ist uns keine Zulassung für diese Indikation bekannt, und die Grundversicherung zahlt nicht dafür. Zuständig für Medizinprodukte ist hier Swissmedic.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Ich habe von der Vagusnerv-Stimulation mit Armtraining gelesen. Ist das für mich überhaupt ein Thema?“
- „Die europäische Leitlinie rät außerhalb von Studien ab, in den USA ist ein Gerät zugelassen. Wie ordnen Sie das ein?“
- „Läuft dazu in erreichbarer Nähe eine Studie?“
- „Wenn ich eine Behandlung im Ausland erwäge: Wer betreut mich danach hier, und was kostet das?“
- „Welche Behandlung mit belegter Wirkung habe ich für meinen Arm noch nicht ausgeschöpft?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 23.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation (DGiNR): S3-Leitlinie Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall, LangfassungBelegt: Abschnitt 7.27 mit dem Empfehlungsgrad B-: Anwendung außerhalb von Studienprotokollen sollte wegen unklarem Nutzen-Risiko-Profil, hoher Kosten und fehlender Zulassung in der Indikation nicht erfolgen.Stand der Quelle: 01.06.2020. Von uns geprüft am 23.08.2026.
- U.S. Food and Drug Administration: Premarket Approval P210007, MicroTransponder Vivistim Paired VNS SystemBelegt: Die US-Zulassung und ihr genauer Anwendungsbereich: chronischer ischämischer Schlaganfall mit mittelschwerer bis schwerer Beeinträchtigung des Arms.Stand der Quelle: Entscheidung vom 27.08.2021. Von uns geprüft am 23.08.2026.