Therapieverfahren im Überblick
Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS)
Auch bekannt als: rTMS, Magnetstimulation, TMS, Hirnstimulation
In der Leitlinie empfohlen
Fachgesellschaften haben das Verfahren geprüft und sprechen sich in ihrer Leitlinie dafür aus.
Was ist das?
Eine Magnetspule wird von außen an den Kopf gehalten und erzeugt kurze Magnetimpulse, die Nervenzellen in der darunterliegenden Hirnrinde anregen oder dämpfen. Bei der Anwendung nach Schlaganfall gibt es zwei Richtungen: die nicht betroffene Hirnhälfte dämpfen oder die betroffene anregen. Die untersuchten Behandlungspläne umfassen zum Beispiel fünf Tage. Das Verfahren wird von ärztlichem Personal durchgeführt, nicht in der Ergo- oder Physiotherapie.
Was die Studien sagen
Die S3-Leitlinie zur Armparese empfiehlt rTMS mit dem Grad B, also einem „sollte", zur Verbesserung der Armfunktion bei leichter bis mäßiger Armparese im akuten und subakuten Stadium. Evidenz 1a, mittlere Effektqualität, starker Konsens.
Die Empfehlung enthält eine ausdrückliche Bedingung: nur, wenn die Behandlung angeboten werden und in erfahrener Hand durchgeführt werden kann.
Im chronischen Stadium, also Monate bis Jahre nach dem Ereignis, fällt die Empfehlung schwächer aus. Dort steht Grad 0, ausdrücklich mit dem Hinweis auf einen schwächeren Effekt.
Für eine Kombination aus dämpfender und anregender Stimulation beider Hirnhälften spricht die Leitlinie ausdrücklich keine Empfehlung aus, weil die Datenlage das nicht hergibt.
Zur Sicherheit ist die Leitlinie deutlich: Internationale Sicherheitsstandards und Gegenanzeigen sollen berücksichtigt werden, hier mit dem Empfehlungsgrad A.
Was dagegen spricht
- Die Empfehlung gilt vor allem für die ersten Wochen nach dem Schlaganfall. Wer später davon erfährt, fällt oft schon in den Bereich der schwächeren Empfehlung.
- Sie setzt Erfahrung und Ausstattung voraus. Beides gibt es nicht flächendeckend, und die Leitlinie macht die Empfehlung genau davon abhängig.
- Es gibt Gegenanzeigen, etwa bei Metallimplantaten im Kopfbereich oder bei Epilepsie. Das ist ärztlich zu klären und kein Detail.
- Vorsicht bei kommerziellen Angeboten: Die Leitlinienempfehlung gilt für eine bestimmte Anwendung in einer bestimmten Phase, nicht für Magnetstimulation als allgemeines Wellness- oder Selbstzahlerangebot.
- Die Leitlinie ist formal abgelaufen. Sie stammt vom 23.04.2020, war gültig bis 22.04.2025 und wird überarbeitet. Fachlich bleibt sie die Referenz, der Stand ist aber mehrere Jahre alt.
Wo es das gibt und wer zahlt
Deutschland
Angeboten wird rTMS an spezialisierten neurologischen Kliniken und Universitätskliniken, meist im Rahmen einer stationären Behandlung oder Reha. Eine eigene ambulante Kassenleistung für diese Indikation gibt es nicht. Im stationären Rahmen ist die Behandlung Teil der Krankenhausleistung. Fragen Sie in der behandelnden Klinik, ob sie das Verfahren vorhält.
Österreich
Auch hier ist rTMS an spezialisierten Kliniken angesiedelt, nicht in der niedergelassenen Versorgung. Die Österreichische Gesellschaft für Neurorehabilitation war an der Leitlinie beteiligt. Ob die Behandlung für Sie infrage kommt und wo sie angeboten wird, klären Sie am besten über die behandelnde Neurologie.
Schweiz
Angeboten an spezialisierten Kliniken, im stationären Rahmen Teil der Behandlung. An der Leitlinie waren zwei Schweizer Fachgesellschaften beteiligt. Fragen Sie in der behandelnden Neurologie nach der Verfügbarkeit.
Fragen für Ihr Arztgespräch
Diese Seite sagt Ihnen nicht, ob eine Behandlung für Sie sinnvoll ist. Das kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen, die Sie kennen. Was diese Seite leisten soll: dass Sie überhaupt wissen, dass es das Verfahren gibt, und dass Sie im Gespräch die richtigen Fragen stellen können. Nehmen Sie die folgenden Fragen mit.
- „Kommt rTMS bei mir infrage, und ist der Zeitpunkt dafür noch günstig?“
- „Bieten Sie das hier an, und wer führt es durch?“
- „Gibt es bei mir Gegenanzeigen, etwa Implantate oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte?“
- „Was ist der realistisch erwartbare Nutzen in meiner Phase?“
- „Wenn Sie es nicht anbieten: Welche Klinik in erreichbarer Nähe tut es?“
Gedruckt wird nur die Fragenliste, nicht die ganze Seite. Auf dem Ausdruck ist Platz für eigene Fragen und zum Ankreuzen.
Weitere Verfahren
Zuerst die, für die die Studienlage am klarsten ist. Das ist eine Aussage über die Belege, nicht darüber, was Ihnen hilft.
Wie diese Seite gemeint ist
Der Schlaganfall Navigator gibt keine Therapieempfehlungen ab und bewertet keine Behandlung für Ihren Fall. Wir tragen zusammen, welche Verfahren es gibt, was die Studien dazu sagen und wer sie bezahlt. Die Entscheidung treffen Sie gemeinsam mit den Menschen, die Sie behandeln. Zuletzt von uns durchgesehen am 23.08.2026.
Quellen
Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden amtlichen Quellen. Bitte lesen Sie im Zweifel dort nach: Gesetze und Beträge ändern sich, und für Ihren Fall gilt immer der aktuelle Text.
- AWMF Leitlinien-Register: S3-Leitlinie Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall (Registernummer 080-001)Belegt: Empfehlungsgrad B für rTMS im akuten und subakuten Stadium, Grad 0 im chronischen Stadium, Empfehlungsgrad A für die Einhaltung der Sicherheitsstandards.Stand der Quelle: Version 2.0 vom 23.04.2020, gültig bis 22.04.2025, in Überarbeitung. Von uns geprüft am 23.08.2026.
- Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Neurorehabilitation (DGiNR): S3-Leitlinie Rehabilitative Therapie bei Armparese nach Schlaganfall, LangfassungBelegt: Abschnitt 7.23 mit den Stimulationsvarianten, der Bedingung „wenn dies angeboten werden und in erfahrener Hand durchgeführt werden kann" und der fehlenden Empfehlung für die kombinierte Stimulation beider Hirnhälften.Stand der Quelle: 01.06.2020. Von uns geprüft am 23.08.2026.