Rente und Krankengeld
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Ausführlich im Ratgeber:
- Schlaganfall in Österreich: Pflegegeld, Krankengeld, Reha-Geld
- Schlaganfall in der Schweiz: IV-Früherfassung und Fristen
- Krankengeld nach Schlaganfall: Höhe, Dauer, was danach
- Krankengeld, Arbeitslosengeld, EM-Rente: Der Zeitplan
- BU-Versicherung nach Schlaganfall: Wenn sie nicht zahlt
- Erwerbsminderungsrente nach Schlaganfall: Antrag, Fristen
- Schlaganfall mit 30, 40, 50: Was Ihnen zusteht
- Checkliste nach Schlaganfall
Wie lange wird Krankengeld gezahlt?
Nach der Entgeltfortzahlung des Dienstgebers zahlt die ÖGK Krankengeld. Das Gesetz nennt als Grunddauer 26 Wochen. Auf bis zu 52 Wochen verlängert sie sich nur, wenn Sie in den letzten zwölf Monaten vor dem Versicherungsfall mindestens sechs Monate krankenversichert waren. Bis zu 78 Wochen sind möglich, wenn die Satzung Ihres Versicherungsträgers das vorsieht. Fragen Sie deshalb früh bei der ÖGK nach Ihrer konkreten Höchstdauer, statt mit 52 Wochen zu planen.
Was ist Rehabilitationsgeld?
Wer voraussichtlich länger nicht arbeiten kann, bekommt unter Umständen Rehabilitationsgeld. Es setzt voraus, dass die Invalidität voraussichtlich mindestens sechs Monate dauert. Die PVA stellt die Invalidität fest, ausgezahlt wird es von der Krankenkasse.
Was ist die IV-Früherfassung?
Eine Meldung an die kantonale IV-Stelle, möglichst so früh wie möglich. Sie ist keine Anmeldung, sondern öffnet den Zugang zu Eingliederungsmassnahmen. Die Meldung kann auch von Angehörigen, Arbeitgeber oder Arzt erfolgen, und die IV-Stelle muss innerhalb von 30 Tagen mitteilen, wie es weitergeht.
Wann besteht Anspruch auf eine IV-Rente?
Frühestens nach einem Jahr, in dem Sie ohne wesentlichen Unterbruch im Schnitt mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig waren, dem sogenannten Wartejahr. Ein Unterbruch zählt erst ab 30 aufeinanderfolgenden Tagen voller Arbeitsfähigkeit. Dazu kommen zwei weitere Bedingungen: Die Eingliederung muss ausgeschöpft sein, und nach diesem Jahr müssen Sie zu mindestens 40 Prozent invalid sein. Wichtig zum Zeitpunkt: Es gibt keine Rückwirkung. Die Rente beginnt frühestens sechs Monate nach Ihrer Anmeldung, für die Zeit davor wird nichts nachgezahlt. Melden Sie sich deshalb früh an und nicht erst nach dem Wartejahr.
Wie lange zahlt die Krankentaggeldversicherung?
Das steht in Ihrem Vertrag, nicht im Gesetz. Eine Krankentaggeldversicherung ist freiwillig; besteht keine, bleibt nur die gesetzliche Lohnfortzahlung nach Dienstjahren. Besteht eine, sind 720 oder 730 Tage bei rund 80 Prozent des Lohns verbreitet, aber nicht vorgeschrieben: Beim Taggeld nach Krankenversicherungsgesetz sind mindestens 720 Tage vorgesehen, die Höhe wird frei vereinbart, und Wartefristen sind zulässig. Lassen Sie sich deshalb die Versicherungsbedingungen aushändigen. Bei einem Unfall gilt anderes: Dort schreibt das Gesetz 80 Prozent des versicherten Verdienstes vor. Ein Schlaganfall ist aber im Regelfall Krankheit, nicht Unfall.
Zählen die 6 Wochen Lohnfortzahlung zu den 78 Wochen Krankengeld?
Ja. Die 78 Wochen werden ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit gerechnet, die Zeit der Entgeltfortzahlung wird angerechnet. Praktisch zahlt die Krankenkasse also rund 72 Wochen Krankengeld aus.
Was passiert, wenn ich die 10-Wochen-Frist der Krankenkasse verpasse?
Fordert die Krankenkasse Sie nach § 51 SGB V auf, einen Reha-Antrag zu stellen, und Sie versäumen die Frist von 10 Wochen, entfällt Ihr Krankengeld. Holen Sie den Antrag nach, lebt der Anspruch erst ab dem Tag der Antragstellung wieder auf. Nehmen Sie diese Aufforderung deshalb ernst und lassen Sie sich vorher beraten.
Ab wann bekomme ich die Erwerbsminderungsrente?
Befristete Erwerbsminderungsrenten, der Regelfall, beginnen frühestens im siebten Kalendermonat nach Eintritt der Erwerbsminderung. Es gibt eine Ausnahme, wenn die Feststellung zum Wegfall von Kranken- oder Arbeitslosengeld führt, sie ist aber enger als oft dargestellt: Sie gilt nur für Renten wegen voller Erwerbsminderung, auf die der Anspruch unabhängig von der Arbeitsmarktlage besteht (§ 101 Abs. 1a SGB VI). Bei teilweiser Erwerbsminderung und bei einer Rente allein wegen des verschlossenen Arbeitsmarkts greift sie nicht. Rückwirkend gezahlt wird, wenn der Antrag bis zum Ende des dritten Kalendermonats nach Ablauf des Monats gestellt wurde, in dem die Voraussetzungen erfüllt waren. Die Bearbeitung dauert erfahrungsgemäß mehrere Monate, mit Gutachten auch länger. Deshalb: früh beantragen.
Was ist der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung?
Der Maßstab. Die private Berufsunfähigkeitsversicherung fragt nach Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fragt dagegen nach dem allgemeinen Arbeitsmarkt und danach, wie viele Stunden täglich Sie dort noch arbeiten können. Deshalb kann eine Ablehnung der Erwerbsminderungsrente nichts über Ihren BU-Anspruch aussagen, und umgekehrt.
Muss ich zu 50 Prozent berufsunfähig sein?
Das Gesetz nennt keinen Prozentsatz. § 172 Abs. 2 VVG spricht davon, dass der zuletzt ausgeübte Beruf „ganz oder teilweise“ nicht mehr ausgeübt werden kann. Der konkrete Grad, üblicherweise 50 Prozent, steht in Ihren Versicherungsbedingungen, nicht im Gesetz. Sehen Sie deshalb in Ihrem eigenen Vertrag nach, statt sich auf eine allgemein genannte Zahl zu verlassen.
Darf die Versicherung mich auf einen anderen Beruf verweisen?
Nur wenn das vereinbart ist. Nach § 172 Abs. 3 VVG kann vereinbart werden, dass auch keine andere Tätigkeit ausgeübt werden kann, die Ihrer Ausbildung, Ihren Fähigkeiten und Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. Ob und in welcher Form diese Verweisung in Ihrem Vertrag steht, ist eine der ersten Fragen, die Sie klären sollten.
Die Versicherung sagt, ich hätte beim Antrag etwas verschwiegen. Ist damit alles verloren?
Nicht zwangsläufig. Anzuzeigen waren nur Umstände, nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat. Bei einfacher Fahrlässigkeit ist der Rücktritt ausgeschlossen. Der Versicherer muss Sie vorher in Textform auf die Folgen hingewiesen haben, er muss seine Rechte binnen eines Monats ab Kenntnis geltend machen, und diese Rechte erlöschen grundsätzlich fünf Jahre nach Vertragsschluss, bei Vorsatz oder Arglist nach zehn. Lassen Sie das anwaltlich prüfen, bevor Sie etwas unterschreiben.
Wie lange habe ich Zeit, mich gegen eine Ablehnung zu wehren?
Eine gesetzliche Widerspruchsfrist wie im Sozialrecht gibt es hier nicht. Es gilt die regelmäßige Verjährung von drei Jahren, die aber erst mit dem Schluss des Jahres beginnt, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie davon wussten. Solange Ihr Anspruch beim Versicherer angemeldet ist, ist die Verjährung gehemmt, bis Ihnen dessen Entscheidung in Textform zugeht. Warten Sie trotzdem nicht ab: Je länger es dauert, desto schwerer sind Befunde zu rekonstruieren.
Wann habe ich nach einem Schlaganfall Anspruch auf Erwerbsminderungsrente?
Wenn Sie wegen der gesundheitlichen Folgen auf nicht absehbare Zeit weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können (teilweise Erwerbsminderung) oder weniger als drei Stunden (volle Erwerbsminderung). Zusätzlich müssen Sie in der Regel mindestens fünf Jahre versichert sein und in den letzten fünf Jahren vor der Erwerbsminderung drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben.
Was bedeutet 'Reha vor Rente'?
Leistungen zur Teilhabe haben Vorrang vor der Rente. Die Rentenversicherung prüft deshalb zuerst, ob eine medizinische oder berufliche Rehabilitation die Arbeitsfähigkeit wiederherstellen kann. Umgekehrt gilt ein Reha-Antrag als Rentenantrag, wenn Sie erwerbsgemindert sind und die Reha keinen Erfolg verspricht oder nicht geholfen hat. Das ist kein Ablehnungstrick, sondern gesetzlich vorgesehen.
Was passiert, wenn das Krankengeld ausläuft?
Nach maximal 78 Wochen endet das Krankengeld (Aussteuerung). Wenn dann noch keine Entscheidung über die EM-Rente vorliegt, können Sie Arbeitslosengeld nach der sogenannten Nahtlosigkeitsregelung (§ 145 SGB III) beantragen. Melden Sie sich dafür rechtzeitig vor der Aussteuerung bei der Agentur für Arbeit. Können Sie nicht selbst hingehen, darf eine Vertretung Sie melden.
Wie lange dauert die Bearbeitung des Antrags?
Rechnen Sie mit mehreren Monaten, vor allem wenn ein Gutachten nötig ist. Stellen Sie den Antrag deshalb früh und lassen Sie sich dabei unterstützen, zum Beispiel vom Sozialdienst der Reha-Klinik, einer Rentenberatungsstelle oder einem Sozialverband wie VdK oder SoVD.
Wird die EM-Rente unbefristet gezahlt?
Meist wird sie zunächst auf bis zu drei Jahre befristet und kann verlängert werden. Unbefristet wird sie in der Regel erst, wenn eine Besserung unwahrscheinlich ist, spätestens nach neun Jahren Befristung.
Ich habe erst wenige Jahre gearbeitet. Bekomme ich trotzdem eine Erwerbsminderungsrente?
Möglicherweise ja. Normalerweise brauchen Sie fünf Jahre Versicherungszeit. Wer aber vor Ablauf von sechs Jahren nach dem Ende einer Ausbildung voll erwerbsgemindert wird und in den zwei Jahren davor mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge hat, erfüllt die Wartezeit vorzeitig. Dann entfällt zusätzlich die Bedingung, drei Jahre Pflichtbeiträge in den letzten fünf Jahren zu haben. Lassen Sie das prüfen, bevor Sie von einer Ablehnung ausgehen.
Wird die Rente nicht winzig, wenn ich erst kurz eingezahlt habe?
Nicht so, wie die meisten befürchten. Es gibt die Zurechnungszeit: Die Jahre zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und einem gesetzlich festgelegten Alter werden mitgerechnet, als hätten Sie bis dahin weiter Beiträge gezahlt. Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2026 endet sie mit 66 Jahren und 3 Monaten. Je jünger Sie sind, desto mehr Jahre kommen dadurch hinzu.
Heißt Erwerbsminderungsrente, dass meine Berufslaufbahn vorbei ist?
Nein. Erstens gilt der Grundsatz, dass Leistungen zur Teilhabe Vorrang vor Rentenleistungen haben, was bei jungen Menschen oft auf Umschulung oder Qualifizierung hinausläuft. Zweitens werden diese Renten befristet, längstens für drei Jahre, und knüpfen an Ihren aktuellen Zustand an. Drittens dürfen Sie in Grenzen dazuverdienen, ohne dass die Rente wegfällt.
Was passiert nach den drei Jahren Befristung?
Die Rente kann wiederholt um jeweils längstens drei Jahre verlängert werden. Nach einer Gesamtdauer der Befristung von neun Jahren wird sie unbefristet geleistet, wenn unwahrscheinlich ist, dass die Erwerbsminderung behoben werden kann. Der ursprüngliche Rentenbeginn bleibt dabei erhalten.
Darf ich neben der Erwerbsminderungsrente arbeiten?
Ja, innerhalb einer jährlichen Hinzuverdienstgrenze. Bei voller Erwerbsminderung liegt sie bei drei Achteln der 14fachen monatlichen Bezugsgröße. Verdienen Sie mehr, fällt die Rente nicht weg: Vom übersteigenden Betrag wird ein Zwölftel zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Die genaue Grenze ändert sich jährlich, fragen Sie den aktuellen Wert bei der Rentenversicherung ab.
Kann ich auch bei einem Invaliditätsgrad unter 40 Prozent Leistungen von der IV erhalten, zum Beispiel Hilfsmittel oder Umschulung?
Ja, auch bei einem Invaliditätsgrad unter 40 Prozent sind Teilleistungen wie Hilfsmittel oder Umschulung möglich. Allerdings müssen Sie diese Leistungen aktiv bei der IV beantragen, und zwar möglichst früh.
Wie wird entschieden, wer für die Kosten nach einem Schlaganfall zuständig ist, die Kranken- oder die Unfallversicherung?
Das hängt davon ab, ob der Schlaganfall als Unfall oder als Krankheit eingestuft wird. Der Sozialdienst im Spital klärt dies mit Ihnen. Die zuständige Versicherung entscheidet dann über die Leistungen.
An wen wende ich mich bei Fragen zu Kostenträgern nach einem Schlaganfall?
Die Krankenversicherung ist für die Akutbehandlung zuständig, die Rentenversicherung für bestimmte Reha-Maßnahmen und die Pflegeversicherung für häusliche Pflege. Bei Unsicherheiten können Sie sich an Sozialverbände wie den VdK oder SoVD wenden, die kostenlos oder günstig beraten.
Wann endet das Krankengeld und was muss ich danach tun?
Das Krankengeld endet nach 78 Wochen. Danach müssen Sie sich spätestens am ersten Tag nach dem Ende bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen, auch wenn Sie noch krank sind. Die Nahtlosigkeitsregelung sichert dann Ihr Einkommen.
Wie kann ich sicherstellen, dass ich nach dem Krankengeld nahtlos weiter finanziell abgesichert bin?
Sie sollten etwa 3 Monate vor dem Ende des Krankengeldes Kontakt zur Agentur für Arbeit aufnehmen und parallel klären, ob ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente sinnvoll ist. Nach dem Ende des Krankengeldes müssen Sie sich arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen, auch wenn Sie noch krank sind.
Kann mir ein Sozialverband wie der VdK oder SoVD bei einem Widerspruch oder einer Klage helfen, wenn mein Antrag auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt wurde?
Ja, ein Sozialverband wie der VdK oder SoVD unterstützt Sie als Mitglied beim Widerspruchsverfahren und vertritt Sie notfalls vor dem Sozialgericht. Die Rechtsberatung ist dabei im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Wann sollte ich mich bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen, um eine Erwerbsminderungsrente zu beantragen?
Sie sollten sich frühzeitig und kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen, um den Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Warten Sie nicht, bis das Krankengeld ausläuft, da die Nahtlosigkeitsregelung Sie übergangsweise absichert.
Wer ist für meine Behandlungskosten zuständig, wenn ich nach einem Schlaganfall unsicher bin, wer die Kosten übernimmt?
Wenn Sie unsicher sind, wer die Kosten trägt, stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Diese hat eine Vorleistungspflicht und muss innerhalb von 2 Wochen klären, wer die Kosten übernimmt.
Wie lange erhalte ich Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse, wenn ich wegen desselben Schlaganfalls arbeitsunfähig bin?
Sie erhalten Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse wegen derselben Krankheit längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren, gerechnet ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Eine später hinzukommende Krankheit verlängert diese Dauer nicht.
Wann sollte ich die IV-Anmeldung vornehmen, wenn ich nach einem Schlaganfall länger als sechs Monate arbeitsunfähig bin?
Nach sechs Monaten Arbeitsunfähigkeit wird die Anmeldung bei der Invalidenversicherung empfohlen. Dies gilt insbesondere, wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber endet und keine Rückkehr in den Beruf absehbar ist.
Wie lange ist man nach einem Schlaganfall krankgeschrieben und bekommt Krankengeld?
In den ersten sechs Wochen zahlt Ihr Arbeitgeber den Lohn weiter. Danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld, wegen derselben Krankheit längstens 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren, gerechnet ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Wie lange Sie krankgeschrieben sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.